Dichters Alltagsnotizen

24. April 2020

Ich möchte eigentlich nicht mehr leben. Und kann es darüberhinaus auch den nächsten Monat kaum. Höchstens bei Haferflocken und trocken Brot, Kaffee ohne Sahne und billigen Teebeuteln von Penny – die besonders unschmackhaften, vierzig Stück in einem Karton ohne einzeln eingepackt.

Man hat mir mein Auto weggeschleppt. Böse Abschleppmänner haben es bereits heute Morgen auf ihren Abschleppwagen geladen und grinsend davongefahren. Sie haben sich die Hände gerieben und ins Fäustchen gelacht, und nachdem sie meinen Wagen zusammen mit den anderen, die allesamt auf einem Parkplatz standen, der bis gestern noch öffentlich war, hinter ihrer Abschleppunternehmensabsperrung abgeladen haben, den  Abschleppfirmenmitarbeiterbonustanz aufgeführt. Aus lauter Freude über die große Beute.

Denn diese hinterlistigen, räudigen Kreaturen erhalten eine Zusatzzahlung für jedes gefangene Autotier. Und davon kaufen sie dann ihren Kindern, die genauso garstig sind wie sie selbst, billiges, hässliches Plastikspielzeug, das nach chinesischer Massenherstellung riecht und sofort wieder kaputt geht, aber das stört sie  nicht die Bohne, denn am nächsten Tag gibt es ja direkt wieder Nachschub. Und so finanzieren am Ende wir Dichter eine ganze Spezies rücksichtsloser Unholde, die noch nicht einmal ahnt, dass man die Fäden von Teebeuteln aneinanderknüpfen kann und so eine Rolle Bindfaden ganz umsonst für den Notfall hat.

Das zumindest werde ich ihnen nicht verraten, wenn ich morgen meinen Wagen einlösen geh.

Wie ich

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kann ich, habe ich schonmal gemacht, können Sie bei mir anfragen.

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Abb.: Vera Henkel vor Neusser Hafenpanorama