Hand

Der Mann ohne Hoffnung und ohne Zähne nähert sich mir ohne Zögern. Ob ich mitkommen wolle, er sei so allein! Wenn es so bliebe, nähme er sich den Strick.

Kann ich verstehen, dass die Frauen vor dir das Weite suchen, denke ich, aber fühlen tue ich einen weiten, kahlen Raum, Beton und Grau, und feuchter Dunst, der vom Boden aufsteigt.

„Wenn wenigstens eine meine Hand nähme! Sehen Sie, meine Handteller sind sauber und meine Fingernägel sind gepflegt! Da lege ich Wert drauf für den … bitte!“ Er hält mir seine schweißschimmernden Handflächen entgegen, „für den … falls doch mal eine … für den Fall!“

Ich kann nicht. Vielleicht würde ich können, wenn ich wollte. Vielleicht wollte ich, wenn nicht seine zitternde Unterlippe wäre aus deren Winkeln links und rechts der Speichel in langen, zähen Fäden schwingt.

Er schluchzt jetzt – ungeachtet der anderen Leute auf der Terrasse – im Nachhinein, weil er immer wusste – im Voraus, weil er für alle Zeiten weiß, dass es wieder nichts gibt, nie für ihn geben wird vom Kuchen ein Stück.

„Ich mach’ mich kaputt! Das hab’ ich euch schon lange angekündigt!“ schreit er nun. Er ist aufgestanden, und ehe noch jemand – wer? einschreiten könnte, wirft er sich gegen die Wirtshauswand, Stirn voran. Und zurück, Anlauf, und noch 

einmal frontal mit dem Gesicht gegen den Putz.

Jetzt ist auch Blut dabei. Ein Brillenglas ist rausgefallen, und alle Gäste des „Goldenen Ritter“ in Gloßen an der Wenne, können ihm geradewegs in sein rechtes Auge blicken, dessen hellbraune Iris wie elektrisiert von einer Ecke in die andere schnellt, während sich aus seinem durch die Weitsichtregulierung riesenhaft vergrößerten linken Auge ein rötlich-schorfiger Tränenstrom über mein Bierglas ergießt, den er sehr wohl durch eine leichte Drehung seines Körpers umleiten könnte – wenn er nur wollte.

(Aus Vera Henkel: "Ein fliehende Kinn", Grupello 2018)

Wie ich

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kann ich, habe ich schonmal gemacht, können Sie bei mir anfragen.

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Abb.: Vera Henkel vor Neusser Hafenpanorama