Der Antrag

Liebe Gisela,

gerade liege ich unter dem Küchentisch und putze die Platte an der Unterseite blank. Ich liebe dich sehr und notiere dies immer mal zwischendurch, wenn mir die Arme lahmend herunterfallen.

Im Bad glänzt bereits alles. Ich habe die Kloschüssel mit Essigessenz gesäubert und die Fliesen ebenfalls damit abgerieben. Da gibt es eine kleine Stelle zwischen Waschbecken und Schrank, an die ich nur sehr schwer herankommen konnte, eventuell sitzt da noch etwas Dreck. Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem ich dich meiner Mutter vorstellen kann. Mein Gott, hier klebt etwas, das geht gar nicht ab. Da muss ich wohl mit etwas Härterem dran gehen. So, jetzt habe ich ein Messer genommen, jetzt ist es weg. Gleich wische ich auch mal eben den Kühlschrank aus. Abtauen täte ihm auch ganz gut. Das Eisfach geht gar nicht mehr auf. Ich würde gern aus deinem Mund Cola trinken. Nein, halt, jetzt komme ich durcheinander. Ich würde gerne eine Cola trinken und dabei denke ich an deinen Mund. Jetzt ist mir der Eimer umgefallen. Ich nehme dies zum Anlass, auch den Küchenboden einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Ich denke mit einem Kitzeln im Bauch an unser kleines Geheimnis. Atta ist ebenfalls gut für Pfannen und Töpfe. Reinstreuen, einweichen und dann nur abwarten, auf keinen Fall mit der Spülbürste drin rumkratzen. Ausspülen, fertig. Nun bin ich ähnlich erschöpft und glücklich wie gestern Nacht. So eine saubere, reinliche Umgebung ist für mich tief empfundenes Dasein. Der liebe Gott hat schon gewusst, warum er uns zwei gesunde Arme und Beine gegeben hat. Damit anschließend alles sauber ist. Willst du meine Frau werden?

PS. Ich nehme die Gerbera mit und pflanze sie zu Hause neu ein. 

Überleg's dir. Dein Armin. 

Aus "Männer in Unterhosen", Grupelo 1996, und in diesem Monat auch veröffentlicht vom "Eulenspiegel".

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