Bett

Der Künstler kämpft sich in die Höhe. Schon wieder Mittag. Ächzt in die Küche, Milch auf die Platte, noch kurz zurück ins Bett.

Als er erwacht, ist die Milch verkocht, der Topf innen schwarz, der Griff glühend heiß, sodass mit dem Schmerzschrei alles zu Boden poltert. Er trinkt Wasser, hat dadurch das Gefühl, nicht wirklich zu frühstücken, macht sich deshalb auch nicht die Mühe, etwas Essbares zu bereiten, sondern erntet pur aus dem Kühlschrank: eine schlappe Scheibe Käse, Quark, kalte Kartoffeln und Dickmanns aus der Frischebox. Nachfolgend eine verbotene Zigarette, er raucht ja eigentlich nicht mehr, aus dem Reservepack, das letztens jemand liegen ließ.

Es ist jetzt halb drei; zum Glück Sonntag, insofern legitim. Da haben auch andere frei.

Nach einer Dreiviertelstunde unter der Dusche kommt Tatendrang auf. Er zieht sich an, bringt den Müll raus, das Altpapier in den Container und legt sich selbst anschließend noch mal hin.

Um fünf kommt Hiltrud. Frisch aus der Kälte, man landet im Bett. Er erwacht von Zuklicken der Wohnungstür. Scheinbar ist Montag. Hiltrud hetzt ins Büro.

Er döst noch ein bisschen, und dann ist es Mittag. Er ächzt in die Küche. In der Ecke ein verkohlter Topf. Er sieht verwirrt hinein.

(Aus meinem Frühwerk, 1983)

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Abb.: Vera Henkel vor Neusser Hafenpanorama