Als Vater zweier Töchter

kommt man ja oft in die komischsten Situationen. Da fragte mich neulich Jolanda: "Papa, können wir eigentlich Oma Luise im Altenheim besuchen?" Ich muss kurz erklären: "Oma Luise" war die gute Freundin der Mutter meiner Frau, die sich mangels eigener Enkel immer sehr um unsere Kinder bemüht hat. Während ich freitags nachmittags meine Wocheneinkäufe erledigte, waren Anastasia und Jolanda immer bei ihr, wo sie ihnen vorlas und sie mit selbst gebackenem Kuchen und Keksen vollstopfte, sodass wir anschließend zu Hause nicht mehr abendessen mussten. Leider allerdings war sie schon über 75 mit mehreren Vorerkrankungen, weshalb sie letzte Woche abgeholt wurde.

„Aber warum willst du denn Oma Luise besuchen?“ fragte ich vorsichtig.

„Weil ich sie so vermisse!“ antwortete meine altkluge Dreijährige.

Das war nach dem Wochenende, an dem wir in Luises Haus die Andenkenrunde gemacht und Jolanda sich das Teeservice von Hutschenreuther für ihre Puppen ausgesucht hatte. Offensichtlich hatte meine Kleine den Sinn dieses Abschiedsrituals nicht ganz begriffen.

„Aber die Oma ist doch weg!“ kam mir in diesem Moment Jolandas große Schwester zu Hilfe, „verreist, verflogen, verschwundibix – wie deine Piloten-Barbie, die habe ich auch aus dem Fenster geschmissen!“ 

Anastasia kann ihrer Schwester manchmal ganz schön zusetzen, muss ich sagen, und natürlich wirkte die Provokation sofort: 

„Neiiiiiiin!“ brüllte Jolanda und stürzte sich auf ihre verhasste Rivalin. Es gab ein paar Knüffe und einen versehentlichen, sicher schmerzhaften Schwinger, aber das hatte sich Anastasia auch verdient. Dann vertrugen sie sich wieder. Danach saßen sie beide auf dem Teppich im Wohnzimmer und spielten „Ken bei Barbie zum Kamillentee“ und „Oma Luise“ war zum Glück vergessen.

     Ich habe mir übrigens gestern im Haus so eine Art Gemme ausgesucht. Die habe ich Petra noch gar nicht gezeigt. Es soll eine Geburtstagsüberraschung werden. Ich bin mir sicher, dass das Portrait darauf die Großmutter meiner Frau als junges Mädchen darstellt, ich sehe da eine entfernte Ähnlichkeit, der Schwung der Nase und der der Oberlippe, und der gezackte Haaransatz irgendwie. (14.9.21)

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Ich bin höchst erfreut, den Kolumnisten Oskar Tiefmark für meine Seite gewonnen zu haben.

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Abb.: Vera Henkel vor Neusser Hafenpanorama